Raucher stehen ganz klar im Abseits

…und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Spätestens ab Juli 2008 bildeten sich bundesweit – unabhängig von Herkunft, Bildungsgrad und Alter – neue Solidaritätsgruppen: die Raucher 😉 Für Nichtraucher sind das jeden Tag aufs Neue zu bemitleidende Menschen, entweder ohne jegliches Temperaturempfinden oder aber mit stets passender Kleidung zu jedem Wetter in jeder Jahreszeit.

So schaffst du den Ausstieg vom Rauchen: Nichtraucher werden mit E-Zigarette.

Aber was bleibt uns denn anderes übrig, wenn der Gesetzgeber vorschreibt, dass wir unsere Zigaretten nicht mehr im sogenannten Gaststättenbetrieb genießen dürfen? Hinzu kommt, dass es an manchen Orten nicht einmal ausreicht, dass man eh schon unter freiem Himmel steht. Nein, man muss sich oftmals auch noch innerhalb aufgezeichneter Linien aufhalten. Auch ich stieß seit dem offiziellen Rauchverbot natürlich nicht immer auf Begeisterung, wenn ich mir in der Öffentlichkeit eine Zigarette ansteckte. Wie oft hörte ich – gerade gemütlich auf Terrassen von Restaurants sitzend – Kommentare am Nachbartisch, wie: „Muss das jetzt sein?“ oder „Och nee, jetzt wird hier geraucht.“ Aber auch direkte Ansprachen erlebte ich genügend: „Können Sie sich nicht woanders hinsetzen?“ – „Finden Sie das nicht rücksichtslos?“ Das waren genau die Momente, in denen ich mich abgewertet und ausgegrenzt fühlte.

Nichraucher
Petra Bork / pixelio.de

Warum sollte ich meinen Platz wechseln oder war plötzlich ein Egoist? Ich sehnte mich dann in die Zeit zurück, in der gefühlt jeder Zweite rauchte. Da war es überhaupt nichts Ungewöhnliches, sich eine Zigarette anzustecken, während man auf das Essen wartete und erst recht als krönenden Abschluss genoss. Ehrlich gesagt, haben gerade Restaurantbesuche seit der bundesweiten Einführung des Rauchverbotes für mich deutlich an Charme verloren. Jedes Mal dieses stimmungstötende „Rausgerenne“.
Anders war es natürlich, wenn ich rauchend durch die Straßen lief: „Haben Sie mal Feuer für mich?“ oder „Könnte ich eine Zigarette von Ihnen bekommen?“ Dabei fühlte ich mich gut; wenigstens als kleiner Samariter unter Gleichgesinnten. Das waren dann aber auch schon die einzig übrig gebliebenen positiven Erlebnisse beim Rauchen in der Öffentlichkeit. Mittlerweile hörte ich ja sogar ständig aus meinem eigenen Umfeld: „Wolltest Du nicht mal mit dem Rauchen aufhören?“ Das habe ich mittlerweile getan: Ich zähle jetzt zu den Dampfern. Meinen persönlichen Bericht zum Dampfen findest du hier.

Leider sind auch Dampfer nicht überall erwünscht

Mit der Entwicklung der E-Zigarette  gesellte sich eine zweite Gruppe zu den Außenseitern: die Dampfer. Auch das ist in öffentlichen Räumlichkeiten nämlich meist verboten. Eigentlich doof, denn nun habe ich endlich aufgehört, meinen Mitmenschen mit meiner Qualmerei gesundheitlich zu schaden und darf trotzdem nicht unbeschwert meinem jetzt fast unbedeutsamen Laster nachkommen. In einem Anflug von „jugendlichem Leichtsinn“ oder im Nachhinein eher mir peinlicher Naivität bin ich zu Anfang davon ausgegangen und wurde eines Besseren belehrt.

Zugegeben, wir produzieren mit unseren unterschiedlichen „Maschinchen“ natürlich auch eine Menge Nebel, den Nichtraucher verständlicherweise nicht so toll finden wie wir. Unsere Dampfwolken sind zwar nicht vergleichbar mit dem arge Rückstände hinterlassenden Zigarettenrauch der nachgewiesene Schädigungen auch bei Passivrauchern verursacht, werden aber in einigen veröffentlichten Studien mit Disconebel gleichgesetzt. Insofern herrscht noch etwas Verunsicherung darüber, ob dadurch ungewollt andere – wenn auch nur geringfügige – Beeinträchtigungen hervorgerufen werden können. Und umso mehr Dampfer, umso nebeliger wird es, wenn auch deutlich erträglicher im Geruch und schneller aufgelöst. Hinzu kommt, dass mit jedem Zug ein seltsames Geräusch „ertönt“. Verständlich, dass sich so mancher Tischnachbar wundert oder gar erschreckt. Das klingt teilweise lauter als ein Asthmaspray. Hier könnte sich die Industrie echt noch etwas einfallen lassen. Mir geht das manchmal selbst „auf den Keks“, vor allem daheim beim gemeinsamen Fernsehabend. Tja, und es heißt berechtigterweise: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“.

Einige Aromen sind wirklich relativ geruchsarm, andere hingegen eine echte Herausforderung an unsere Mitmenschen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mal ein Restaurant während des Essens verlassen musste, weil eine Dame am Nachbartisch in übertriebenen Maße ein für mich unerträgliches Parfüm an sich hatte. Das lag mir regelrecht auf der Zunge, und mir war furchtbar übel. Mit unserer tollen Auswahl an Aromen und den damit verbundenen Variationsmöglichkeiten kann sich in einer Dampfergemeinschaft ein undefinierbarer Geruch entwickeln, der auf Ablehnung stößt. Also in Summe müssen auch wir in der Gastronomie gerechterweise klein beigeben. Leider!
Wenigstens sind wir in der Öffentlichkeit nicht von „Rauchen wegen Brandgefahr verboten!“ betroffen.  Und im Ernst: Fragen ist nicht verboten! Aus diesem Grund habe ich mir zum Ausgehen einen mäßigen Dampfer gekauft. Wer charmant fragt und noch einen erklärenden Satz hinzufügt, erntet ab und an Wohlwollen und Zustimmung.

Es fehlt eindeutig an Aufklärung

„Was tun Sie da eigentlich?“ oder „Was haben Sie denn da für ein Ding?“ sind die von mir zu beantwortenden Standardfragen von Personen unterschiedlichsten Alters, wenn ich draußen dampfe. Obwohl es die ein oder andere Werbung gab, deren sich auch Nichtraucher kaum entziehen konnten, wissen viele nicht, was E-Zigaretten sind. Na gut, es gibt ja mittlerweile ziemlich viele Modelle, aber ich begegne ständig Leuten, die so gar nichts darüber wissen. Selbst einige unserer Freunde wollten detailliert wissen: „Was ist das? Wie funktioniert es? Warum tust Du das?“ Aber immerhin wünschten sie mir – mit Ausnahme der ohnehin chronischen Zweifler – anschließend viel Erfolg auf meinem Weg zum Nichtraucher. Klar, mit Zigaretten kennen sich viele selbst bestens aus, und Tabakkonsum hat eben auch eine eigene Geschichte 😉 Ich selbst sehe unterwegs leider immer noch bedeutend mehr Raucher als Dampfer. Diesbezüglich bedauere ich außerordentlich das Werbeverbot vom 20. Mai. Schließlich wurde bereits mehrfach belegt, dass Dampfen zwar nicht unbedingt gesund aber Rauchen weitaus schädlicher ist. Ich kann nicht sagen, ob ich als Nichtraucher überhaupt dampfen würde. Offen gestanden, habe ich bislang darüber nicht nachgedacht. Jetzt in dieser Sekunde würde ich es eher verneinen. Warum sollte ich dafür Geld ausgeben und so ein Ding mit mir herumschleppen? Sieht ja nicht einmal schick aus, wenn man daran „nuckelt“. Wahrscheinlich würde ich zwecks gutem Geschmack einen Bonbon bevorzugen.

Außerdem würde ich mich nicht ohne inneren Zwang bei Wind und Wetter nach draußen stellen, wenn ich gerade gemütlich sitze. Ich bin aber nicht mehr in der Situation eine solche Entscheidung zu treffen, da ich vor Jahrzehnten bereits entschieden habe, zu rauchen. Ich konnte jetzt nur zwischen der ersten und der zweiten Solidaritätsgemeinschaft wählen, da ich nikotinabhängig bin. Ich bewundere Leute, die „einfach so“ geschafft haben, vom Rauchen loszukommen. Von Hundert auf Null oder weniger Zigaretten pro Tag rauchen habe ich immer nur für eine kurze Zeit ausgehalten. Ich halte Dampfen ganz klar für eine gute Möglichkeit, meiner Gewohnheit, an etwas zu ziehen, nachzukommen und dabei peu à peu meinen Nikotinkonsum bis auf eventuell 0mg reduzieren zu können. Ganz zu schweigen von den anderen Gewinnen, die wir erzielen, wenn wir keinen Wert mehr auf Glimmstängel legen. Auch wenn es laut Veröffentlichungen bislang nur eine kleine Quote geschafft hat, langfristig auf Nikotin zu verzichten, ist es ein positives Ergebnis. Und jeder, der vom Rauchen aufs Dampfen umsteigt, kann dazu gehören! Also gibt es eine Chance für Raucher, Gesundheitsrisiken zu minimieren, auf die meines Erachtens nach – durch gezielte Werbung und bessere Aufklärung von Pro und Contra – aufmerksam gemacht werden sollte.
Gabriela Sarnow
Dieser Beitrag ist lediglich eine persönliche Erfahrung/Meinung und stellt ausdrücklich keine Werbung dar. Er wurde ausschließlich für volljährige Leser, die rauchen und/oder dampfen verfasst.

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1 Kommentar auf "Dampfen in der Öffentlichkeit – Annerkennung oder Abseits?"

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SeK
Gast

Sehr schöner Beitrag.
Allerdings gibt es keine „Nikotinsucht“, nicht nur des Begriffs nach. Du bist bestimmt nicht vom Nikotin abhängig, es ist die Gewohnheit des Dampfens und dazu nur die wohltuende Wirkung des Nikotins.
Nikotin verändert zudem Haptik und Geschmack des Dampfes, ähnlich dem Koffein im Kaffee. Und mit diesem ist es in Schädlichkeit, Suchtpotenzial und Wirkung zu vergleichen.
Warum willst du vom Nikotin runter kommen? Ich kenne viele Dampfer, die immer noch an die „Nikotinlüge“ glauben und es unbedingt reduzieren wollen. Ich kenne hingegen nur wenige Kaffeetrinker, die versuchen, endlich vom Koffein weg zu kommen.
Nikotin ist nicht ungesund und hat viele positive Wirkungen, also, warum so ein Krampf um diesen „Stoff“?
Dampfen ist, im Gegensatz zu fast jeder Form des Rauchens, keine Sucht, sondern eine gemütliche, leckere und harmlose Gewohnheit.
Ich wünsch dir lecker Dampf!

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